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LNG-Flüssigerdgas bietet Chancen für eine saubere Schifffahrt

05.07.2018

Erstellt von Hans Stieger

Anlässlich des vierjährigen Bestehens der Maritimen LNG Plattform – die nationale LNG Initiative – fand kürzlich ein Pressegespräch mit Vertretern der maritimen Branche, der Plattform und Experten in Hamburg statt. Die Schifffahrt, so die einhellige Auffassung, hat in puncto Umweltfreundlichkeit im Vergleich zu anderen Transportmitteln einen erheblichen Nachholbedarf. Vordringlichstes Ziel der nächsten Jahre ist eine Schifffahrt, die zum einen auf offener See ohne Schweröl fährt und die zum anderen in den Hafenstädten nicht weiter zu den Hauptemittenten von Feinstaub und Stickoxiden gehört. Der Einsatz von LNG als alternativer Kraftstoff bietet hier die besten Chancen und die Entscheidung der Politik, durch Schaffung von Rahmenbedingungen die maritime Wirtschaft beim Weg in eine saubere Schifffahrt zu unterstützen, ist richtig, insbesondere im Interesse der Gesundheit der Menschen in den Küstenregionen.

Thorsten Lehmann, Vorsitzender der Maritimen LNG Plattform und Managing Director MAN Hamburg sowie Leiter der Region Europe Engine & Marine Systems, erklärte anlässlich des vierjährigen Bestehens der Maritimen LNG Plattform: „Die Plattform, die mittlerweile nahezu 100 Mitglieder und Partner hat, konnte sich als Scharnier zwischen Politik und maritimer Wirtschaft etablieren und maßgeblich dazu beitragen, dass sich die Rahmenbedingungen für den Einsatz von LNG erheblich verbessert haben. Mit dem Förderprogramm für die Schifffahrt sowie mit der jüngsten Haushaltsplanung, die einen Fokus auf die Förderung einer sauberen Landstromversorgung durch LNG legt, hat die Politik wichtige Akzente gesetzt. Der Markt reagiert: Immer mehr Schiffe, sowohl in der Kreuzfahrtindustrie aber auch zunehmend in der Containerbranche, werden mit LNG als sauberem Kraftstoff betrieben. MAN Energie Solutions Beitrag ist die Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen für Schiffsantriebe und die Stromversorgung an Bord und an Land. Ohne LNG als den richtungsweisenden Schritt zu alternativen Kraftstoffen in größerem Umfang ist die Maritime Energiewende nicht zu bewerkstelligen.“

Durchhalteparole für LNG – Chancen für bessere Luftqualität in Hafenstädten

Dr. Rowil Ponta, Geschäftsführender Gesellschafter von Nordic Hamburg, appellierte an die Beteiligten auf dem Weg zu einer sauberen Schifffahrt durchzuhalten: „Ein Risiko besteht darin, dass das Thema LNG von den Beteiligten und der Politik nicht lange genug durchgehalten wird und zu früh auf Themen wie Wasserstoff oder Elektrizität gesetzt wird, die aber noch lange nicht marktreif sind für die Schifffahrt. Am Ende müssen wir dann mit weiteren 20 Jahren Giftmüllverbrennung (HFO = Schweröl) auf See leben, weil die notwendige kritische Masse für LNG nicht erreicht wird.“

Ole von Beust, Initiator der Maritimen LNG Plattform und Geschäftsführender Gesellschafter der vBColl Beratungsgesellschaft hebt die Chancen von LNG für eine bessere Luftqualität in Hamburg und anderen Hafenstädten hervor: „Im Vergleich zu den stark emittierenden Dieselmotoren, die in der Schifffahrt eingesetzt werden, bedeutet der zunehmende Einsatz von LNG einen Quantensprung und damit eine drastische Reduzierung von Feinstaub, Stickoxiden und Schwefeloxiden. Der Hamburger Hafen hat hier auch unter Wettbewerbsgesichtspunkten ein sehr großes Potential. Die Maritime LNG Plattform steht Hamburg als Partner bei der Umsetzung einer Zukunftsstrategie zur Verfügung.“

LNG-Gasmotor ist aktuell die beste Lösung

Dr. Hans Gätjens, Vice President Marine und Regional Chief Executive for North/Central Europe, Baltic Region and Russia von Bureau Veritas, warnt davor, den Einsatz von LNG ausschließlich unter dem Aspekt der CO2-Reduzierung zu betrachten: „Bei Abgasen von Schiffsmotoren müssen die Gesamtemissionen betrachtet werden: Hinsichtlich CO2-, NOx-, Sox- und Partikelemissionen ist der LNG-Gasmotor eindeutig die zurzeit beste Lösung. Die ambitionierten Klimaziele der Schifffahrt (50 % CO2-Reduktion bis 2050) kann nur mit einem Maßnahmenmix erreicht werden. Eine wichtige Rolle wird dabei spielen, dass langfristig LNG CO2 neutral mit Hilfe der sogenannten Power-to-Gas-Technologie oder aus Biomasse hergestellt werden kann. Wasserstoff ist absehbar für die nächsten 20 Jahre keine Alternative für die Schifffahrt, und zwar aufgrund von Sicherheitsbedenken, Verfügbarkeit und zu hohen Kosten.“

Maritime Wende wird nur erreicht, wenn LNG-Infrastruktur in Häfen aufgebaut wird

Jos Steeman, Mitglied des Sachverständigenrates der Maritimen LNG Plattform und Managing Director von Vopak Germany, hebt die Bedeutung des Aufbaus einer LNG-Infrastruktur in Deutschland hervor, ohne die LNG in der deutschen Schifffahrt nicht wirtschaftlich zum Einsatz kommen kann: „Die große Herausforderung für das Gelingen einer Maritimen Energiewende und einer nachhaltigen Verringerung der schiffseitigen Emissionen ist der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Die Signale der Politik stimmen mich optimistisch: Es ist ermutigend, dass die Bundesregierung und die entsprechenden Bundesländer die Industrie beim Aufbau der Infrastruktur unterstützen wollen.“
Georg Ehrmann, Geschäftsführer der Maritimen LNG Plattform, zieht abschließend eine Bilanz des Pressegesprächs: „Im laufenden Vergabeverfahren für eine Bundesförderung sind für knapp 30 LNG-getriebene Schiffe Anträge gestellt worden. Das zeigt deutlich, dass die maritime Branche, die nach wie vor mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ihren Beitrag für eine sauberere Schifffahrt leisten will. Durch Bedenkenträgerei wird die Schifffahrt nicht sauberer. Jetzt gilt es zu handeln und weiter voranzuschreiten – für eine bessere Luftqualität und für die Gesundheit der Menschen.“

POSTED BY KREUZFAHRT-BLOG