Der Weg zu
sauberen
Meeren & Luft

Die internationale Schifffahrt verringert den Anteil an Treibhausgasemissionen

Einer im Auftrag der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) aktualisierten Studie zu Treibhausgasemissionen zufolge ist der Anteil der Schifffahrt an den globalen Emissionen gesunken und kleiner als erwartet.
 
Die dritte Treibhausgas-Studie von 2012 besagt, dass die Schifffahrt insgesamt im Zeitraum von 2007 bis 2012 für etwa 3,1 Prozent des jährlichen Kohlendioxidausstoßes (CO2) und etwa 2,8 Prozent des jährlichen Treibhausgasausstoßes auf Kohlendioxidäquivalentbasis (CO2e) verantwortlich war.
 
Das ist geringfügig weniger als die 3,3 Prozent der globalen CO2-Emissionen der gesamten Schifffahrt, die in der zweiten Treibhausgas-Studie der IMO von 2009 für das Jahr 2007 genannt worden waren.
 
Für die internationale Schifffahrt, die den IMO-Regelungen unterliegt, sank die Schätzung der CO2-Emissionen von 2,7 Prozent 2007 auf 2,2 Prozent für das Jahr 2012.
 
Der Studie zufolge, die auf Top-down-Methoden (Verkauf von Bunkeröl) sowie Bottom-up-Methoden (Daten zur Flottenaktivität) für die Schätzungen basiert, betrug der durchschnittliche jährliche Kraftstoffverbrauch aller Schiffe zwischen 250 Mio. und 325 Mio. metrische Tonnen (mt).
 
Von dieser Gesamtmenge verbrauchte die internationale Schifffahrt zwischen etwa 200 Mio. (Top-down-Methode) und 270 Mio. (Bottom-up-Methode) mt pro Jahr, je nachdem, wie der Verbrauch bestimmt wurde.
 
Die Konsensschätzung der Studie ergibt für die CO2-Emissionen der internationalen Schifffahrt für 2012 796 Mio. mt (2,2 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes), während der CO2e-Wert bei 816 Mio. mt lag, was einem Anteil von 2,1 Prozent an den globalen Emissionen entspricht. In CO2e sind CO2-, Methan(CH4)- und Stickoxid(N2O)-Emissionen zusammengefasst.
 
Die durchschnittlichen jährlichen CO2-Emissionen der internationalen Schifffahrt für den 6-Jahres-Zeitraum von 2007 bis 2012 betrugen 846 Mio. mt, wobei sie im Jahr 2008 ihren Höchstwert von 921 Mio. mt (2,9 Prozent der globalen CO2-Emissionen) und 2010 den niedrigsten Wert mit 771 Mio. mt (2,3 Prozent der globalen CO2-Emissionen) erreichten.
 
Die CO2-Emissionen stiegen 2011 auf 850 Mio. mt oder 2,4 Prozent der globalen CO2-Emissionen, sind aber 2012 schätzungsweise auf 796 Mio. mt oder 2,2 Prozent der globalen CO2-Emissionen zurückgegangen.
 
Den Kraftstoffverbrauch der internationalen Schifffahrt gibt die Studie für 2011 mit 208* Mio. mt nach der Top-down-Schätzung (Verkauf von Bunkeröl) und mit 274* Mio. mt nach der Bottom-up-Schätzung an.
 
Beiden Schätzungen zufolge wird der Hauptanteil der CO2-Emissionen (84–85 Prozent der Gesamtmenge) durch Schweröl verursacht. Marinedestillate verursachten 14,6 Prozent der gesamten CO2-Emissionen nach der Top-down-Schätzung und fast 13 Prozent nach der aktivitätsbasierten Schätzung, die auch Erdgas einschloss, auf das fast 3 Prozent der gesamten CO2-Emissionen zurückgingen.
 
Der Studie lagen für 2012 keine Daten für eine Top-down-Schätzung vor, doch ergab die Bottom-up-Schätzung einen Rückgang des Kraftstoffverbrauchs der internationalen Schifffahrt um 6,2 Prozent, das entspricht 257* Mio. mt.
 
Beiden Methoden zufolge stiegen der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen von Schiffen von 2007 bis 2012 nur in begrenztem Umfang an, wie die jüngste Treibhausgas-Studie feststellte, doch nahmen die Methan(CH4)-Emissionen von Schiffen aufgrund einer höheren Aktivität beim Transport von Flüssigerdgas (LNG) zu.

Andere Emissionen

Die globalen Stickoxid(NOx)- und Schwefeloxid(SOx)-Emissionen der gesamten Schifffahrt machen gemäß der dritten IMO-Treibhausgas-Studie etwa 15 Prozent der globalen NOx- und 13 Prozent der globalen SOx-Emissionen aus. Der Studie zufolge verursacht die internationale Schifffahrt etwa 13 Prozent des globalen NOx- und 12 Prozent des globalen SOx-Gesamtausstoßes.
 
Die Schätzungen der SOx-Emissionen liegen in der neuen Studie um etwa 30 Prozent niedriger als in der Studie von 2009, und man erwartet, dass sie bis 2050 weiter zurückgehen werden, hauptsächlich wegen der Schwefel-Grenzwerte in Anhang VI des MARPOL-Übereinkommens.
 
NOx-Emissionen werden als Ergebnis der Regelungen in Anhang VI des MARPOL-Übereinkommens auch langsamer als die CO2-Emissionen zunehmen, wenn Tier-II- und Tier-III-Motoren in den Flotten eingesetzt werden.
 
Die internationale Schifffahrt wird auch als für fast alle Methan(CH4)-Emissionen verantwortlich eingestuft, denn sie verursachte etwa 99 Prozent dieses starken Treibhausgases. Der Studie zufolge wird ein schneller Anstieg der Methanemissionen erwartet, wenn auch von einem niedrigen Basiswert ausgehend, da der Anteil der Schiffe, die Flüssigerdgas (LNG) als Kraftstoff einsetzen, zunimmt.

Projektionen des Kraftstoffverbrauchs

Der Studie zufolge war Slow Steaming ein Hauptgrund für den begrenzten CO2-Ausstoß der Schifffahrt im Zeitraum 2007–2012. Demnach betrug die durchschnittliche Senkung der Reisegeschwindigkeit im Vergleich zur Konstruktionsgeschwindigkeit 12 Prozent, und die durchschnittliche Senkung des Kraftstoffverbrauchs betrug 27 Prozent.
 
Viele Schiffstypen und Größenklassen übertrafen diese Durchschnittswerte, insbesondere Containerschiffe und Öltanker, die zusammen mit Massengutfrachtern in Bezug auf Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß das bedeutendste Segment der Schifffahrtsbranche ausmachen.
 
Einige Größenklassen von Öltankern reduzierten den Kraftstoffverbrauch um etwa 50 Prozent, und einige Größenklassen von Containerschiffen senkten den Energieverbrauch der Studie zufolge um über 70 Prozent. In der Studie wurde jedoch festgestellt, dass dies nicht einer prozentual äquivalenten Effizienzsteigerung entsprach, weil die gleiche Transportleistung durch eine größere Anzahl von Schiffen (oder mehr Seetage) erzielt werden musste.
 
Mit Blick auf die Zukunft geht die Studie davon aus, dass die CO2-Emissionen durch die Schifffahrt in den nächsten Jahrzehnten erheblich ansteigen werden, wenn nicht weitere Maßnahmen getroffen werden, um die Effizienz zu steigern und die Emissionen zu reduzieren.
 
Die Business-as-Usual(BAU)-Szenarios der Studie lassen je nach den wirtschaftlichen und energiebezogenen Entwicklungen bis 2050 eine Steigerung um 50 bis 250 Prozent erwarten.
Selbst bei weiteren Maßnahmen zur Abschwächung der Zunahme von CO2-Emissionen, ob regulatorisch oder marktgetrieben, projizieren alle Szenarios mit Ausnahme von einem, dass die CO2-Emissionen 2050 höher sein werden als 2012.
Die aktualisierte IMO-Treibhausgas-Studie wurde noch nicht veröffentlicht und wird bei der 67. Tagung des Ausschusses für den Schutz der Meeresumwelt (MEPC 67) der IMO im Oktober vorgestellt. Sie soll den MEPC bei der Bewertung, wie der Sektor das Thema Treibhausgasemissionen angehen kann, unterstützen.